Martin und Thomas Philipps im Weinberg des Weinguts Philipps-Mühle im Mittelrheintal©Philipps-Mühle

Junge Winzer am Mittelrhein? Wie ein Weingut an der Loreley floriert

Man nehme zwei Junge Winzer aus dem Städtchen St. Goar am Mittelrhein direkt gegenüber der Loreley. Füge eine Mischung aus Liebe zur Tradition und Lust an der Moderne hinzu. Und fertig ist das Gaumenerlebnis für Touristen und Einheimische. Im Weingut Philipps-Mühle bepflanzen die Brüder Thomas und Martin alte und neue Flächen mit Qualitätsweinen. Thomas gibt im Interview auf Rosis Reisecouch spannende Antworten zum Weinbau im Mittelrheintal.

Vom Hobby zur Profession

Wie seid ihr dazu gekommen, Winzer zu werden?

Thomas: Wir hatten schon immer in der Familie Weinbau, aber nur als Hobby mit 0,3 Hektar. Wir sind jetzt bereits die vierte Generation. Mein erster Gedanke war: Ich mache eine Hotelfachlehre. Dann während der Ausbildung habe ich mich mehr mit dem Weinberg und Kellergehäusen beschäftigt. In 2003 dann mein erster eigener Wein: und den Gästen hat er geschmeckt, die wollten mehr davon! Da habe ich mir gesagt: Mensch, du bist noch jung. Geh das doch mit dem Weinbau nach der Ausbildung professionell an.

Was hat es mit dem Namen Philipps-Mühle auf sich?

Thomas: Haupterwerb war bei unseren Eltern eine Getreidemühle, deswegen auch der Name Philipps-Mühle. Unser Vater hat immer zu uns beiden Brüdern gesagt: ‚Das rentiert sich irgendwann nicht mehr, weil nach und nach alle kleinen Bäckereien zumachen.‘

Lediglich als Hobby hatten die Eltern den Weinbau und dazu eine eigene Gastronomie: die Winzerschenke Philipps-Mühle. Da wurde und wird auch immer noch der eigene Wein verkauft.


Seid wann betreibt ihr als Brüder-Paar Philipps den Weinbau?

Thomas: Seit 2011 machen wir beide das zusammen. Denn mein Bruder Martin hat ebenfalls gemerkt: Nicht nur Wein trinken macht Spaß, sondern auch Wein machen. Er hat dann direkt nach dem Abitur eine Winzerlehre gemacht und später wie ich das Weinbau-Studium abgeschlossen.

Wie bekannt ist das Mittelrheintal als Weingebiet?

Thomas: Das Deutsche Weininstitut kommt alle zwei Jahre vorbei und präsentiert Winzer wie uns. Wir gehören zur Generation Riesling, wo über 500 junge Winzer mit dabei sind. Aber wir sind die einzigen vom Mittelrhein.


Altes und Neues im Weinberg

Traubenlese im Weinberg des Weinguts Philipps-Mühle im Mittelrheintal©Phlipps-Mühle
Traubenlese im Weinberg©Philipps-Mühle

Wie steht ihr zu Tradition und Moderne?

Thomas: Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, das Potential der alten Lagen zu erhalten. Über die Hälfte unserer Flächen sind die, die vor 20 oder 30 Jahren aufgegeben wurden und die wir rekultivieren und wieder neu bestocken. Teilweise helfen die alten Winzer dann auch noch ein bisschen mit bei der Arbeit im Weinberg. Und neu ist, dass wir heute die technischen Möglichkeiten haben, um zum Beispiel mit Raupentraktoren im Steilhang mehr Fläche zu bewirtschaften als früher, als wirklich alles Handarbeit war.

Warum seid ihr in der Region geblieben?

Thomas: Wenn man vom Familienunternehmen kommt, so eng damit verstrickt, ist Wegziehen kein Thema.

Ich habe außerdem gemerkt, dass wir hier in St. Goar das einzige Weingut waren, das noch übrig geblieben war. Das heißt, sich am Ort potentiell zu erweitern, war überhaupt kein Problem. Unsere Kollegen in der Pfalz haben dagegen das Problem, überhaupt an Flächen ranzukommen.


Von Sprengungen und Wildschweinen

Vorbereitungen zur Neuanlage eines Weinberges Teil 3:Das Video der Sprengung.

Gepostet von Philipps-Mühle am Mittwoch, 14. März 2018

 

Was ist euch als Winzern schon Skurriles passiert?

Thomas: Bei einer aufgegebenen Anbaufläche, die wir rekultivieren, fanden wir im Fels ein Bohrloch mit einem Kabel. Der Kampfmittelräumungsdienst konnte nicht genau analysieren, was es ist, weil es tief in dem Loch war. Die haben dann gesagt: jagen wir es halt in die Luft! Das sah spektakulär aus. Da war eine 1m lange Sprengpatrone drin. Ob die funktioniert hätte, weiß man nicht.

Ist euer Alltag immer so spannend?

Thomas (lacht): Also wir haben nicht nur Weinberg an Weinberg, auch wenn das natürlich wünschenswert ist. Bei den alten Flächen, die einzeln und verbuscht sind, hatten wir ein bisschen Probleme mit Wildschweinen. Deswegen haben wir immer schon darauf geachtet, dass wir größere Flächen säubern und anpflanzen.


Was Loreley und Qualitätsweine verbindet

Loreley-Figur am Weingut Philipps-Mühle im Mittelrheintal_©RosiKmitta
Loreley-Figur am Weingut Philipps-Mühle_©RosiKmitta

Was bedeutet für euch die Loreley?

Thomas: Wir hatten die Chance, direkt gegenüber vom Loreley-Felsen ein Grundstück zu pachten. Und da haben wir gedacht: Mensch, an dem tollen Standort eine Vinothek, das wär’s doch. Und damit war das Thema Loreley direkt vor der Haustür.

Wir sind an einem touristischen Hotspot, wo sehr viele Gäste Stopp machen. Deswegen haben wir unserem Grafiker gesagt: Mach uns mal Loreley-Etiketten, die auch unserer Qualität entsprechen und eine gewisse Wertigkeit widerspiegeln. Und damit sind wir sehr erfolgreich.

Welche Rebsorten baut ihr an?

Thomas: Momentan haben wir zu 80 % Riesling, 17 % Müllerthurgau, und der Rest ist Weißburgunder und ein bisschen Spätburgunder.

Wir pflanzen jetzt ganz neu auch Roter Riesling an. Eigentlich gar keine neue Rebsorte, sondern die Ursorte des Rieslings. Vor allem im Mittelalter gab’s Roter Riesling. Das ist eine Rebsorte, die besser mit dem Klimawandel zurechtkommt. Deswegen pflanzen wir sie in unsere absolute Toplage. Und wenn wir etwas pflanzen, gehen wir auch davon aus, dass der Weinberg die nächsten 50 Jahre bestehen bleibt.


Was macht eure Weine so besonders?

Thomas: Also für uns ist die Qualität das A und O. Und die Philosophie ist, weniger ist mehr. Da verzichten wir lieber auf Menge und gehen auch mal Risiken ein. Wir bringen die Qualität, die wir mit den Trauben aus dem Weinberg holen, direkt in die Flasche – ohne großen Schnick-Schnack im Keller anzuwenden.

Welchen Charakter haben eure Weine?

Thomas: Es fängt an bei unseren Gutsrieslingen aus dem 60jährigen Weinberg an: da ist die Säure gut eingebunden und der Trinkgenuss steht im Vordergrund. Dann kommen die ganzen Ortsweine: da ist ganz klar die Mineralität des Schieferbodens charaktergebend.


Weingut und mehr: Vinothek, Schenke und Events

Thomas Philipps in der Vinothek des Weinguts Philipps-Mühle am Mittelrheintal©Phlipps-Mühle
Thomas in der Vinothek©Philipps-Mühle

Was bietet ihr euren Gästen?

Thomas: Es gehört natürlich dazu, dass wir im Weingut Weinproben haben. Außerdem eine Vinothek, wo auch viele Urlaubsgäste hinkommen, die dann über den Online-Shop nachbestellen. In der Winzerschenke servieren wir von Ostern bis Ende Oktober eigene Weine und selbstgemachte Spezialitäten. Wir sind auch auf Veranstaltungen, wo wir unsere Weine präsentieren: zum Beispiel die ‚Lange Nacht der Weine‘. Dort können die Besucher ein paar Weine probieren, irgendwann geht die Musik los oder legt der DJ auf.

Wer ist eure Kundschaft?

Thomas: Wir merken in den vergangenen Jahren, dass die Weintrinker immer jünger werden. Das ist generell ein Trend in Deutschland, dass man mehr Wert auf Qualität auch beim Essen legt – bedingt zum Beispiel durch die Koch-Shows. Und da gehört es mittlerweile dazu, dass man sich dazu auch einen passenden Wein aussucht. Es ist schön, dass Wein wieder einen Stellenwert hat.


Wie entwickelt sich eure Idee?

Thomas: Aktuell verkaufen wir 30.000 Flaschen jährlich. Wir haben zwar 6,5 Hektar, aber da sind auch viele jungen Weinberge dabei, die noch gar nicht im Ertrag stehen. Deswegen ist die Zahl noch gering, wird aber von Jahr zu Jahr mehr.

Die Hauptarbeit machen mein Bruder und ich noch alleine. Wir haben aber auch über das Jahr immer mal wieder – gerade während der Traubenlese –Helfer dabei. Wir sind einfach noch zu klein, um eigene Arbeitskräfte zu haben. Das wird sich in den nächsten Jahren aber möglicherweise ändern.

Wo geht die Reise noch hin?

Thomas: Als es losging, haben wir mit 0,3 Hektar gestartet – heute sind es 6,5 Hektar. Und wir wollen noch weiter wachsen Da wir zu zweit sind und auch irgendwann zwei Familien hintendran stehen, ist schon die Tendenz Richtung 10 Hektar.

Auch rein touristisch haben wir so viele Ideen, was man so machen könnte. Wenn ich das mit der Pfalz vergleiche oder der Mosel – auch was das Thema Weinbau betrifft – kann hier im Mittelrheintal noch viel laufen.


Möchtet ihr weitere Infos zu Weingut und Online-Shop?
Diese findet ihr hier: www.philipps-muehle.de

 

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